Besuch von Sally Perel im GHG

28.09.2017, Frau Rohrlack

Eine ganz besondere Geschichtsstunde

Am 28. September 2017 hatten Schülerinnen und Schüler des Georg-Herwegh-Gymnasiums Gelegenheit, den Menschen persönlich kennenzulernen, der die Geschichte des Hitlerjungen Salomon nicht in dem Film gespielt, sondern in seinem Leben gelebt hat: Sally Perel.

Die Schülerinnen und Schüler hörten der frei gesprochenen Lebensgeschichte des heute 92-jährigen Mannes 90 Minuten gebannt zu und richteten im Anschluss noch Fragen an ihn. Perel gab Einblicke in seine 10 Jahre währende glückliche Kindheit, die abrupt endete, als sein Lehrer ihm 1935 verbot, weiter zur Schule zu kommen, da sie nicht für Juden sei. Auch der darauf folgende Weggang der Familie nach Polen bot durch den Kriegsbeginn keine dauerhafte Sicherheit. In dieser lebensbedrohlichen Situation sahen Perels Eltern die einzige Überlebenschance für ihn und seinen 16 Jahre älteren Bruder darin, dass sie die beiden Söhne nach Russland schickten, und – wie Perel damals nicht im Entferntesten ahnte – in dem Wissen, sie nicht wiederzusehen. Perel war damals 14 Jahre alt.

Seine Eltern gaben ihm beim Abschied jeweils einen Satz mit auf den Weg. Seine Mutter sagte ihm zuletzt: „Du sollst leben!“ Sein Vater mahnte: „Verleugne nie, dass Du Jude bist.“ Beide Sätze waren ihm immer wieder Wegweiser durch die nun folgende schwere Zeit.

Vor die Wahl gestellt, als Jude von Deutschen in Russland erschossen zu werden oder zu leugnen, Jude zu sein, entschied sich Perel für den Leitsatz seiner Mutter. Damit begann sein Doppelleben: am Tage – nach eigener Aussage – ein überzeugte Hitlerjunge, am Abend voller Angst, irgendwann als Jude entdeckt und hingerichtet zu werden. Perel sprach von seiner zweigeteilten Seele, von einer großen inneren Zerrissenheit: Täter und Opfer in einem Körper.

Perel konnte Jahrzehnte nicht über seine Geschichte sprechen, bis er in Auschwitz die übriggebliebenen Kinderschuhe sah und den Entschluss fasste, einen Beitrag zu leisten, damit sich eine Zeit wie die des Nationalsozialismus niemals wiederholt, indem er sein Schweigen brach.

Perel kommt gerne nach Deutschland – in sein „Mutterland“. Er möchte keine Schuldgefühle erzeugen, denn Schuld sei nicht vererbbar. Vielmehr möchte er durch seinen Bericht den Verstand seiner Zuhörer „erleuchten“.
Er macht die Jugendlichen durch das Hören seiner Geschichte zu Zeitzeugen mit dem Auftrag, das Gehörte weiterzugeben und so an die Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. Denn: „Erinnern heißt leben.“ Und Erinnern ist eine der Aufgaben von Geschichte.

Sally Perel beendete seinen Vortrag mit den Worten, mit denen er ihn begonnen hatte: Shalom, Salam, Frieden.

Alle in der Aula Anwesenden waren Teil des Erinnerns - in dieser ganz besonderen Geschichtsstunde.


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