Georg-Herwegh-Gymnasium - GHG Berlin 
Neue Schule, Neue Chancen - Unser Bildungsprojekt für Ghana

Im Schuljahr 2012/13 hat der Geographie-Leistungskurs des Georg-Herwegh-Gymnasiums eine Spendenaktion für einen Schulneubau in Accra (Ghana) initiiert; Auslöser für dieses Projekt war ein Hilferuf von Lotta Ullrich, einer ehemaligen Schülerin aus dem Abiturjahrgang 2012: „Ich bin jetzt schon seit mehr als einem Monat in Ghana in Accra und arbeite in einem Waisenhaus. […] Ich geh in der Arbeit hier total auf und habe mich ziemlich schnell an die Kultur in Ghana gewöhnt und den weniger privilegierten Lebensstandard. […] In dem Heim sind ca. 25 Kinder (Jungs) untergebracht – zwischen sechs und 27 Jahren. Die älteren studie-ren alle und kümmern sich nebenbei um Straßenkinder. […] Die Gemeinschaft unter den Jungs ist einfach nur bewundernswert und die Kids sind ziemlich verantwortungsbewusst, selbstständig und überaus fleißig. Ich bin […] richtig stolz auf alle, vor allem wenn man die Vergangenheit von ihnen kennt. […] Fünf der älteren Jungs werden zum Teil von Banken gesponsert und absolvieren auch ein ziemlich erfolgreiches Studium. Das Problem ist, dass die jüngeren Jungen auf eine der günstigsten Schulen in Accra gehen […], in manchen Klassen sind über 80 Schüler und nur ein Lehrer! Stellen Sie sich vor, sie müssten 80 Schüler unterrichten und 80 Hausaufgaben kontrollieren. Noch dazu befinden sich natürlich alle Schüler auf einem anderen Niveau. Dementsprechend sind die Lehrer auch motiviert und die Kinder bekommen kaum und wenn, dann nur sehr kleine Hausaufgaben auf, da es sonst einfach zu viel Arbeit für den einen Lehrer oder die eine Lehrerin wäre. Außerdem haben die meisten keine Schulbücher, weil die Eltern diese ihrem Kind einfach nicht finanzieren können. […] Und dann hält sich die Motivation der Lehrer sowieso stark in Grenzen aufgrund ihres niedrigen Gehalts.

Das Projekt, in dem ich arbeite, besteht aus zwei Projekten: ein Waisenhaus für Kinder und ein Heim für Kinder mit Behinderungen. […] Die beiden Projekte hat ein Pastor im Jahr 1994 aufgebaut. […] Aufgrund der schlechten Verhältnisse, die die Schulen hier zum Teil vorweisen, hat der Pastor ein drittes Projekt geplant: eine neue Schule zu bauen. Die Pläne wurden schon von einem der ehemaligen Waisenkinder entworfen, der Architektur studiert, und das Grundstück besitzt der Pastor auch schon. Nur das Geld fehlt leider um das Projekt endlich umzusetzen. Es würde ca. ein Jahr dauern um die Schule zu bauen und die Kosten für allein das Gebäude beziehen sich auf ca. GHC 10.000, wozu später natürlich dann nochmal das Equipment und Schulsachen für die Kinder dazu kommen würden. 10.000 Ghana Cedi sind ungefähr 4.100 Euro, ein ziemlich lächerlicher Betrag um eine öffentliche Schule (1.-9. Klasse) zu bauen. […] Viele liebe Grüße von einer überaus glücklichen Lotta aus Ghana, die Ihre Hilfe braucht […]“

Die 13 Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses von Herrn Hartmann stellten sich dieser Herausforderung: das Projekt wurde zu ihrer Klausurersatzleistung im 3. Semester. „Anfänglich waren wir noch ein wenig überwältigt von der großen Aufgabe, die vor uns lag, aber letztendlich haben wir uns nach und nach in das Thema hineingefunden und mit sehr viel Zeitaufwand, aber auch Spaß daran gearbeitet. Als Kurs haben wir uns dadurch besser kennen gelernt und im Team gearbeitet – ein gemeinsames Ziel schweißt zusammen.
Spenden haben wir auf verschiedenen Schulveranstaltungen wie Konzerten oder dem Tag der offenen Tür sowie in Fachbereichssitzungen unserer Lehrer und Lehrerinnen gesammelt. Zudem haben wir Einzelhändler der Heinsestraße in Hermsdorf angesprochen – viele waren bereit, den ihnen möglichen Teil im Rahmen eines Caterings während der Informationsveranstaltung am 31.01.2013 zum Projekt beizusteuern. […]

Neben der Organisation der Spendenaktionen […] haben wir uns jeweils mit einem Problem des Landes Ghana intensiv auseinandergesetzt und ein mehrseitiges Handout erstellt. Hierbei begegneten wir ganz neuen und unerwarteten Tatsachen: Wenn man an Afrika und Ghana denkt, fallen einem als erstes Probleme wie schlechte Wasserversorgung, Hunger oder schlechte Bildungschancen ein. Aber inwieweit Kakaopflanzen, Staudämme oder auch europäische Hühner Schaden anrichten können, war uns nicht im Entferntesten klar – Biomangos und Bambusfahrräder geben aber auch Hoffnung auf eine nachhaltige Entwicklung im globalen Süden. […] Ghana ist ein Land, das vielfältig und faszinierend ist.“

Am 11.12.2012 fand im Berliner Congress Centrum am Alexanderplatz die Auftaktveranstaltung der „Afrika-Initiative“ statt. Im Rahmen dieses Projektes soll in den folgenden drei Jahren eine Vielzahl von Einzelprojekten in Deutschland und Afrika veranstaltet werden, um das zivilgesellschaftliche und partnerschaftliche Engagement in allen Teilen der Gesellschaft zu stärken. Ziel dieser Initiative ist ein befreites Afrikabild in der deutschen und ein differenziertes Deutschlandbild in der afrikanischen Bevölkerung zu schaffen. Dies sollte nun auch Teil des Projekts am Georg-Herwegh-Gymnasium werden:
„Ein realistischeres Afrikabild aufzuzeigen und Afrika als Chancenkontinent zu begreifen ist unser Ziel – Afrika ist nicht nur Hunger und Unterernährung, Raubbau am Regenwald, Bürgerkrieg und Kindersoldaten, der Kontinent ist auch friedlich und seine Wirtschaft nachhaltig.
Die afrikanischen Länder müssen und wollen ihren Beitrag für die Eine Welt leisten und haben durchaus erkannt, dass eine regionale wirtschaftliche Integration die Voraussetzung für Wachstum auf allen Ebenen sowie Beschäftigung und Einkommen für die schnell wachsende Bevölkerung ist sowie Bildung oberste Priorität hat; dies haben wir während der Auftaktveranstaltung der „Afrika-Initiative“ im Berliner Congress Centrum am Alexanderplatz am 11.12.2012 als Botschaft mitnehmen können; Kabwe Zuberi Zitto – ein junger, dynamischer Politiker der Partei für Demokratie und Fortschritt in Tansania und Kandidat für die nächsten Präsidentschaftswahlen – formulierte drei Entwicklungsziele für sein Land: 1. Bildung, 2. Bildung und 3. Bildung.

Ein befreites Afrikabild am Georg-Herweg-Gymnasium und ein differenziertes Deutschlandbild an der Schule für Waisenkinder in Accra (Ghana) zu schaffen, könnte eine Initiative für die nächsten Jahre sein: Unser Beitrag als Abiturjahrgang 2013 war der Informationsabend in unserer Schulaula am 31.01.2013, an dem wir den Zuhörern die Vielfalt Ghanas vermitteln konnten und von den Vertreterinnen der Botschaft von Ghana und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie unserer Schulleiterin im Rahmen einer Podiumsdiskussion unterstützt wurden.

Am Donnerstag, den 21.03.2013 erreichten wir alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I sowie den 11. Jahrgang und interessierte Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule in der 3./4. oder 5./6. Stunde noch einmal in der Aula, um sie mit der Vielfalt Ghanas vertraut zu machen; abschließend beantworteten wir Fragen zum Projekt und den zusammengefassten Einzelbeiträgen aus unserer Klausurersatzleistung; die vollständigen Beiträge können in einer Broschüre nachgelesen werden […]“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Am 29. Mai 2013 wurden vom Georg-Herwegh-Gymnasium 4.700 € an die Handi Vangelism Ministries Organisation überwiesen; die Spende ist im vollen Umfang für den Schulneubau auf dem bereits erworbenen Gelände des Waisenheims zweckgebunden.

Den Beitrag des Leistungskurses Geographie aus dem Abiturjahrgang 2013 sollten wir als Anfang begreifen: Die Fortsetzung liegt jetzt in den Händen der nachfolgenden Jahrgänge, aller Fachbereiche des Georg-Herwegh-Gymnasiums und im Konkreten bei den Schülerinnen und Schülern eines Seminarkurses „Schwarzafrika“, der für Interessierte des 11. Jahrgangs ab dem Schuljahr 2014/15 eingerichtet werden sollte. Die Partnerschaft etablieren und die Wahrnehmung afrikanischer Länder verändern könnte der dauerhafte Zielansatz sein.

Die 13 Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geographie haben jetzt nicht nur ein Abitur…

Nikolaus W.: „Wir können etwas bewegen! Mit dieser Einstellung begann ich dieses Projekt. Ich war sehr angetan von der Idee, zudem war ich auch zuversichtlich, was die Ausführung und das Erreichen des Ziels betrifft. Leider musste ich hier bald merken, dass man doch nicht so leicht wie erwartet Spenden sammelt. Die ersten Sammelaktionen bei verschiedenen Musikabenden der Schule liefen durchwachsen an – mal kamen erstaunlich viele Spenden zu-sammen, am nächsten Abend war hingegen ein sehr ernüchterndes Ergebnis die Realität. […] Nach dem Informationsabend in der Aula können wir sagen: Ja, wir haben unser Projekt und Ghana gut vorgestellt! Die Veranstaltung hätte besser besucht sein können, jedoch auch deutlich schlechter. […]“

Anisa A.: „[…] Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass die deutsche Gesellschaft über die Vielfalt Afrikas informiert wird, da vielen gar nicht bewusst ist, wie gut es ihnen hier geht und wie groß die Unterschiede auf der Welt sind. […]“

Leslie Elsner: „Mir hat das Projekt sehr gut gefallen, da wir sowohl unsere geographischen Kenntnisse anwenden als auch anderen Kindern helfen konnten. Dass Bildung nicht überall so selbstverständlich ist wie hier in Deutschland, ist einem viel zu selten bewusst. […] Es gibt nichts Besseres, als in die Zukunft der Kinder zu investieren.“

Joscha F.: „Ich empfand unser Geographie-Projekt „Neue Schule, neue Chancen – Unser Bildungsprojekt für Ghana“ sehr interessant, da wir uns so ein anderes und neues Bild von Schwarzafrika verschaffen konnten, als es in den Massenmedien dargestellt wird […] Die Ausarbeitung unserer Themen war zwar mit viel Arbeit verbunden und das Projekt zu organisieren ebenso, aber im Großen und Ganzen ist es dem Kurs super gelungen, das Projekt zielstrebig und gemeinsam umzusetzen. Zudem hat es mir persönlich sehr viel Spaß gemacht, die Aktionen in allen Punkten mit zu organisieren und eigene Ideen und Meinungen umzusetzen. […]“

Scarlett C.: „Mir gefällt das Projekt sehr gut, vor allem weil wir mit unserem theoretischen Wissen Anderen helfen können, es also in die Praxis umsetzen. Dass Bildung nicht überall selbstverständlich ist, haben wir versucht […] an unserem Informationsabend zu veranschaulichen. […]“

Isabel S.: „Mir hat das Projekt ein neues Bild von Afrika gebracht. Durch die vielen verschiedenen Themen, die an dem Info-Abend vorgestellt wurden, und die enge Zusammenarbeit mit der ehemaligen Schülerin unserer Schule Lotta vor Ort in Ghana habe ich persönlich viele neue Einsichten zu Ghana gewinnen können. Selbst ein Teil dieses Projektes zu sein und Kindern aus Afrika die Chance auf Bildung zu gewähren, motiviert mich nur noch mehr und ich bin froh, dass unser Projekt dazu beiträgt, etwa Gleichaltrigen in Schwarzafrika eine bessere Zukunft als ihren Eltern zu geben.“

Jonas K.: „Unsere Klausurersatzleistung im Fach Geographie war in diesem Semester etwas anspruchsvoller – eine neue Herausforderung. Jedoch waren von Beginn an alle Schülerinnen und Schüler begeistert von der Idee und diese Euphorie hielt bei den meisten bis zum Ende an. Der Höhepunkt war der Info-Abend in der Aula, bei dem wir versuchten, den Besuchern das Land Ghana mit seinen Problemen und Perspektiven nahe zu bringen und bemüht waren, ein neues Afrikabild zu vermitteln.“

Lucas Lux: „Mich sprach das Projekt seit dem Beginn sehr an – über zwölf Schuljahre erlernte Theorien konnten nun endlich in unserem Abschlussjahr in die Praxis umgesetzt werden. Nicht nur ich, sondern der gesamte Kurs, ging ehrgeizig an das Projektziel heran: Wir wollen einen Spendenbetrag von ca. 4.000 € für einen Schulbau in Accra (Ghana) mittels selbst geplanter Unternehmungen sammeln und uns mit dem Land Ghana fachlich auseinander setzen. Den Höhepunkt unseres Projektes stellte der Informationsabend am 31.01.2013 dar; wir haben diesen als Kurs selbst geplant, strukturiert und unsere Ideen umgesetzt. […]“

Niklas Meyer: „Ich fand es wichtig, dass unser Projekt nicht nur daraus bestand, Geld zu sammeln, sondern durch die inhaltliche Beschäftigung mit dem Land Ghana ergänzt wurde. Unsere Arbeit wurde gewürdigt und positiv zur Kenntnis genommen. Ich persönlich konnte neue Dinge im Bereich Projektorganisation kennenlernen. Die Planung hat den Kurs noch näher zusammengeschweißt und inhaltlich weitergebracht.“

Zusammengestellt von H. Hartmann am 24.08.2013